Maro-Temm: Wohnungsbaugenossenschaft der Sinti

Maro Temm ist Romanes und heißt "unser Platz".

 

Sinti in Deutschland

Die deutschen Sinti leben schon seit vielen hundert Jahren in Deutschland. Die Überlebenden des Holocaust haben sich in Kiel in einem Landesverband der deutschen Roma und Sinti Schleswig-Holstein organisiert. Für Sinti- und Roma-Familien tritt in den letzten Jahren verschärft das Problem einer unzureichenden Wohnsituation auf. Insbesondere die Verteilung der Wohnungen über die verschiedenen Stadtteile und im Geschosswohnungsbau führt zu zahlreichen Konflikten. Die Deutschen Sinti und Roma leben in traditionellen Familienverbänden, die sich gegenseitig besuchen und unterstützen. Dies führt in Nachbarschaften mit Nicht-Sinti und Nicht-Roma zu erheblichen Störungen.

Die Sinti und Roma sind von hoher Arbeitslosigkeit betroffen, die Ausbildung der Jugendlichen ist schlecht, oft haben sie keine Berufsabschlüsse. 70 - 80 % der Haushalte sind auf Sozialhilfe angewiesen. Die Sinti stehen hier für Bevölkerungsteile, die weitgehend von Transferleistungen abhängig sind. Hier sind aktive Nachbarschaften gefragt, die sich gegenseitige Unterstützung auch in den kleinen Dingen des Alltags geben können.

 

Das Projekt Maro Temm

In einer Machbarkeitsstudie, die vom Innenministerium Schleswig-Holstein beauftragt wurde, hat Joachim Reinig in Abstimmung mit dem Landesverband der Sinti und Roma e.V. vorgeschlagen, eine Genossenschaft der Sinti zu gründen und die Häuser im öffentlich geförderten Wohnungsbau als Selbstbauhäuser zu realisieren.

Die Genossenschaft ist als Dachgenossenschaft organisiert, so dass auch in anderen Orten genossenschaftliche Nachbarschaften von Sinti aufgebaut werden können. Erstmals wird so Wohnungsbau nicht für Sinti sondern von Sinti betrieben. Das Konzept hat in Schleswig-Holstein breite Unterstützung gefunden.

Die Stadt Kiel hat ein Grundstück und ein Kommunaldarlehen bereitgestellt, die Investitionsbank gibt die Landesförderdarlehen. Eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahme unterstützt die Selbsthelfer.

Die STATTBAU HAMBURG Stadtentwicklungsgesellschaft mbH ist vom Büro der Ministerpräsidentin des Landes Schleswig-Holstein beauftragt worden, die Genossenschaftsgründung zu betreuen. Die Genossenschaft wurde im Dezember 2003 gegründet, zahlreiche Unterstützer/innen sind Mitglied geworden.

Das Projekt ist 2007 fertig gestellt worden. Es wurde auf der Basis der Empfehlungen der Machbarkeitsstudie entwickelt und anfänglich von der STATTBAU HAMBURG Stadtentwicklungsgesellschaft mbH und später von der Wankendorfer Baugenossenschaft für Schleswig-Holstein eG betreut.

 

Die Dokumentation

Anlässlich der Aufnahme der Sinti als Minderheit in die Verfassung Schleswig-Holsteins und dem 5 Jahresjubiläum der Fertigstellung ist ein Film über das Projekt produziert worden, der hier zu sehen ist (Bild anklicken):

Zurück