Telemannstraße in Eimsbüttel

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Wohnprojekt 13 – Jung und Alt aktiv im Passivhaus

Für die Baugruppe war klar: zusammen mit Jung und Alt, mit ökologischem Standard und in der Stadt wollten sie wohnen. Dafür suchte die Initiativgruppe einige Jahre ein passendes Grundstück. Die Kerngruppe entwickelte Vorstellungen zum Projekt, zum zukünftigen Zusammenwohnen, zur Finanzierung und Organisation und stellte ihre Überlegungen politischen und behördlichen Akteuren in Eimsbüttel und Altona sowie Hamburger Behörden vor.

In Eimsbüttel wurden sie schließlich fündig: eine ehemals als Lehrerparkplatz genutzte Fläche wurde für das Wohnprojekt in Aussicht gestellt. Verhandlungen zwischen Projektgruppe und dem Bezirk, der Schulbehörde und Liegenschaftsverwaltung führten am Ende zum Verkauf des Grundstücks an die Projektgruppe bzw. die mit ihr kooperierende Genossenschaft Schanze eG.

Ausführlich wurde diskutiert, ob die Gruppe eine eigene Genossenschaft gründet oder sich einer bestehenden Dachgenossenschaft anschließt und schließlich wurde die Wohnungsbaugenossenschaft Schanze eG als Träger gewählt. Zwischen der Nutzergruppe und der Genossenschaft gibt es einen Selbstverwaltungsvertrag, in dem die Kooperation, Verpflichtungen und Rechte geregelt werden. So ist z.B. festgelegt, dass freiwerdende Wohnungen durch die Wohnprojektgruppe neu belegt werden. Doch die Fluktuation ist gering, es gibt kaum Auszüge.
Ein solidarisches Finanzierungsmodell verbindet Haushalte mit unterschiedlichen Einkommensverhältnissen zum Aufbringen des genossenschaftlichen Eigenanteils.
Das gemeinsame Leben im Haus bietet die Annehmlichkeiten, die sich die BewohnerInnen wünschen: Kinder wachsen mit einer Vielzahl anderer Kinder auf, zufällige Begegnungen im Treppenhaus führen zum Klönschnack, es wird ein Kindermittagstisch in der Schulzeit organisiert, die Belange im Haus werden auf regelmäßigen Treffen von der Gruppe selbst geregelt.

Die zukünftigen BewohnerInnen bestimmten die Planung des Projekts, so wurde die Entscheidung ein Passivhaus zu bauen gemeinsam getroffen. Die Architekten entwickelten die  Wohnungsgrundrisse eng entlang der Vorstellungen und Bedürfnisse der BewohnerInnen. Während der Planungs- und Bauzeit bildete sich eine Baugruppe, die sich regelmäßig mit dem Baubetreuer traf und die Fragen und Entscheidungen zwischen Architekturbüro und Gruppe moderierte und Entschlüsse der Bewohner in den Baubesprechungen vertrat.

Das Gebäude ist weitgehend barrierefrei. Ein Gemeinschaftsraum ist Treffpunkt im Erdgeschoß und bietet Platz für die Gruppensitzungen, gemeinsame Essen, Kindergeburtstage, Tanzen und Chi Gong. Eine Wohnung ist als betreute Jugendwohnung an einen Jugendhilfeträger vermietet.

Die Entscheidung zur Realisierung eines Passivhauses hat die Gruppe viel Energie gekostet. Das lag u.a. an Anfangsschwierigkeiten in der Ausführung der Lüftungstechnik, denn das Gebäude ist eines der ersten Passivhäuser im Geschoßwohnungsbau. Als ein Specht sein Nest in der  Wärmedämmung bauen wollte, war die Aufregung groß, denn Löcher in der Wärmedämmung können sich zu Kältebrücken ausweiten und lassen Feuchtigkeit in die Fassade eindringen.
Dennoch ist die Gruppe – nicht zuletzt angesichts der ständig steigenden Heizkosten im herkömmlichen Wohnungsbau – glücklich über diese Entscheidung.

 

Projektdaten

  1. Name: Wohnprojekt 13
  2. Eigentümer: Wohnungsbaugenossenschaft Schanze eG
  3. Architekturbüro: D+R Architekten, Christine Reumschüssel, Hamburg
  4. Größe: ca. 1.452 qm,  18 Mietwohnungen
  5. Fertigstellung 2003
  6. Energiestandard: Passivhaus
  7. Finanzierung: WK geförderter Mietwohnungsbau § 88d II. WoBauG, Eigengeld
  8. Baubetreuung: STATTBAU HAMBURG GmbH

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