Träger für Wohnprojekte

Die Wahl geeigneter Träger hängt zunächst von der Stellung der zukünftigen Nutzer zum Eigentum ab. Entscheidend ist, ob sie Mieter oder Eigentümer in einem gemeinschaftlich ausgerichteten Wohnprojekt werden wollen. Auch die Vermögensverhältnisse können eine Rolle spielen.

Genossenschaftliches Wohnen
In Hamburg hat genossenschaftliches Wohnen seit mehr als 100 Jahren Tradition. Der Genossenschaftsgedanke steht für Selbsthilfe und Selbstverantwortung im Wohnen. Von daher ist die genossenschaftliche Trägerkonstruktion besonders geeignet für WohnprojektlerInnen, die kein individuelles Eigentum anstreben. Seit 1985 sind in Hamburg von Menschen, die mehr Gestaltungsmöglichkeiten im Wohnen haben möchten, 22 neue Wohnungsbaugenossenschaften gegründet worden: zunächst mehrheitlich in Altbaubeständen - ab Anfang der 90er Jahre zunehmend auch im Wohnungsneubau. Genossenschaftliches Wohnen schafft höhere Mitwirkungsmöglichkeiten und höhere Mietsicherheit als im klassischen Mietwohnungsbau. Kleinere Genossenschaften gelten zwar nicht als optimale wohnungswirtschaftliche Betriebsgröße, sie sind aber überschaubarer und persönlicher als die ganz großen.

Um genossenschaftlich Wohnen zu können, gibt es zwei Optionen. Entweder neue Wohngruppen gründen eine neue Wohnungsbaugenossenschaft, was aufwändig und teuer ist. Sinnvoll ist es in diesem Fall, Rat bei versierten Fachleuten oder dem zuständigen Verband, in Hamburg dem Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen, einzuholen. Ein anderer Weg besteht darin, sich einer bestehenden Wohnungsgenossenschaft anzuschließen, die ihren neuen Mitgliedern als Wohnprojekt die Selbstgestaltungsmöglichkeiten zugesteht, die sie haben möchten. In Hamburg bietet sich dafür z.B. die Schanze e.G. an, die seit über 25 Jahren Dach für verschiedene selbstverwaltete Wohnprojekte ist und seit 2002 auch die Wohnreform e.G.

In diesen relativ jungen Dachgenossenschaften wird zur Finanzierung ein höherer Eigenkapitalanteil benötigt. Hier tritt die Dachgenossenschaft als Bauherr auf und arbeitet in der Planung eng mit den Baugruppen zusammen. Nach Fertigstellung der Häuser haben die Nutzergruppen weitgehende Selbstverwaltungsrechte, z.T. bis zur Instandhaltung.

Seit Beginn der 2000er Jahre bauen einzelne der traditionellen Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften für Baugemeinschaften. Sie kooperieren mit einer Baugemeinschaft, die sich um ein für Baugemeinschaften reserviertes Grundstück beworben hat. Die Baugemeinschaft tritt in den Kooperationsprojekten nicht selbst als Bauherr auf, sondern schließt einen Kooperationsvertrag ab. Das nötige Eigenkapital muss in diesem Fall nicht in voller Höhe von den Mitgliedern der Baugemeinschaft eingebracht werden. Sie treten der Genossenschaft bei und zahlen in der Regel die  in der Genossenschaft üblichen Genossenschaftsanteile. Die Bestandsgenossenschaft wird Eigentümerin des Grundstücks, Empfänger der Förderung und schließt mit den einzelnen Mitgliedern der Baugemeinschaft  Nutzungsverträge für die jeweilige Wohnung ab. Bei der Planung haben die Baugemeinschaften Mitwirkungsmöglichkeiten bei Grundrissen und Ausstattung. Sie haben z.T. weitergehende Rechte, z.B. können sie bei Mieterwechsel den Nachmieter vorschlagen,  Gemeinschaftsräume nutzen oder Gärten pflegen.

Investoren
Vor allem wenn das Eigenkapital knapp ist, ist guter Rat teuer. Dann hilft nur ein Investor, der das nötige Kleingeld mitbringt. In diesem Fall werden die WohnprojektlerInnen zu einfachen Mietern und mit dem Investor sind die Möglichkeiten der Selbstverwaltung auszuhandeln. Meist sind dabei der Mietsicherheit und der Selbstbestimmung Grenzen gesetzt, weil ein Investor eigene wirtschaftliche Ziele verfolgt. Diese stellt er möglicherweise über einen begrenzten Zeitraum zurück, aber nicht generell. Erfahrungen dazu gibt es, aber sie sind noch nicht ausgewertet worden. Investoren können aus dem privaten Bereich kommen, aber auch Wohnungsbaugesellschaften oder Wohnungsbaugenossenschaften sein. Bei den finanziellen Möglichkeiten, die die vormals gemeinnützige Wohnungswirtschaft hat, wäre ein stärkeres Engagement in Sachen Wohnprojekte wünschenswert.


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