Drum prüfe, wer sich ewig bindet.

Bauen ist teuer. Da wird schon dem Eigenheimer Angst und Bange. Schließlich geht es um Schulden für die nächsten 30 bis 40 Jahre. Deswegen darf nichts schief gehen. Baugemeinschaften, die gemeinsam Mehrfamilienhäuser errichten wollen, stehen vor viel größeren und komplexeren Aufgaben. Denn bei ihnen geht es i. d. R. um mehrere Millionen.

Wohngruppen-Mitglieder durchlaufen auf dem Weg zur Hausgemeinschaft mehrere Entwicklungsstufen. Sie bilden zunächst eine InteressentInnen-Gruppe, beauftragen einen Architekten, lassen danach ein Mehrfamilienhaus bauen und verwalten schließlich ihr Haus. So läuft es im Normalfall.

Viele Informationen für Anfänger vorhanden
Alles, und darauf legen die Mitglieder der Baugemeinschaften großen Wert, soll nach ihren Vorstellungen passieren. Bei diesem Unterfangen gibt es eine Menge an Aufgaben zu erledigen, für die die Bauwilligen teilweise wegen rechtlicher Notwendigkeiten, teilweise aus sonstigem guten Grund Fachleute zu rechtlichen, organisatorischen, finanziellen und technischen Fragen zu Rate ziehen.

STATTBAU Hamburg bietet einmal monatlich eine öffentliche Beratung für Interessierte an (jeweils am 1. Freitag im Monat um 14.00 Uhr, telefonische Anmeldung 040 43 29 42 0 oder per E-Mail post@stattbau-hamburg.de erwünscht).

Weitere Informationen erhalten Baugemeinschaften und/oder Interessierte bei der Agentur für Baugemeinschaften in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Unter www.baugemeinschaften.hamburg.de sind aktuelle Informationen und Hinweise zu den unterschiedlichen Fördermöglichkeiten, Zugang zu Grundstücken und zum Verfahren zu finden. Adresse: Agentur für Baugemeinschaften, Neuenfelder Straße 19,  21009 Hamburg , Telefon 040 428 40 23 33, Fax: 040 / 428 40 2266, E-Mail: baugemeinschaften@bsu-hamburg.de.

Wenn's konkret wird, Fachleute zu Rate ziehen
Ein entscheidender Schritt ist der Zugang zum Grundstück. Bei der Agentur für Baugemeinschaften können Baugemeinschaften bzw. Initiativgruppen Ihr Interesse an einem Grundstück äußern. Wenn Grundstücke für Baugemeinschaften baureif sind, werden die Bewerber auf der bei der Agentur für Baugemeinschaften geführten Liste angeschrieben. Die Baugemeinschaft muss nun eine konkrete Bewerbung abgeben und sich zu diesem Zeitpunkt von einem Baubetreuer beraten lassen. Da sich i.d.R. mehrere Gruppen auf ein Grundstück bewerben, gibt es ein Auswahlverfahren, wo die Bewerbung nach bestimmten sozialen, städtebaulichen, standortbezogenen und wohnungspolitischen Kriterien bewertet wird. Im nächsten Schritt informiert die Agentur für Baugemeinschaften die Kommission für Bodenordnung über die Auswahl, die Kommission entscheidet über die Verkäufe städtischer Grundstücke.  Nach Zustimmung erhält die Baugemeinschaft das Grundstück i.d.R. für ein Jahr Anhand gegeben.

Das bedeutet, dass die Wohngruppe in spe vor dem eigentlichen Kauf - zwischen einem halben und einem ganzen Jahr - Zeit bekommt, um Bauplanung und Finanzierung bis zur Entscheidungsreife voranzutreiben. So verfährt die Stadt Hamburg bei kommunalen Grundstücken. Das ist dann der Zeitpunkt, wo es zu einer entscheidend neuen Verbindlichkeit im Leben der Wohngruppe kommt. Es müssen Verträge abgeschlossen und beträchtliche Gelder für Planung, Betreuung, Grundstück und das Bauvorhaben aufgebracht werden. Spätestens jetzt sollte sich die Gruppe einen Projektentwickler und -betreuer suchen, der Erfahrung mit dem gemeinschaftlichen Planen und Bauen hat. Dieser berät beim Projektaufbau, bei der Förderung und Finanzierung.

Zur gleichen Zeit wird ein Architekturbüro benötigt, das Baupläne erstellt. Die Gruppe muss vor dem Ankauf über Bebauungspläne und die generelle Bebaubarkeit des Grundstücks Bescheid wissen. Ein Nutzungskonzept ist notwendig, damit die Gruppe genau weiß, wieviel Wohnfläche gebaut werden kann. Auch stellt sich die Frage, ob es zusätzlich möglich ist, Gewerbeflächen zu errichten. Das kann z.B. wichtig sein, wenn die Ziele Wohnen und Arbeiten gleichermaßen Anliegen sind. Ein Nebeneinander ist aber nicht an jedem Standort möglich und hat auch Auswirkungen auf die Finanzierung.

Vertrauen und Kompetenz wichtig
Wichtig ist, dass sich die Gruppen Fachleute ihres Vertrauens aussuchen. Das ist in Hamburg und auch anderswo gar nicht so schwer: Denn es gibt viele funktionierende Bau- und Hausgemeinschaften. Und in jedem Fall war ein Betreuungs- und ein Architekturbüro dabei. Der einfachste Weg besteht also darin, Kontakt zu Betreuern oder Architekturbüros aufzunehmen und sich dabei einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. Wem das noch nicht ausreicht, der kann sich auch bei bestehenden Hausgemeinschaften über ihre Erfahrungen mit diesem oder jenem Büro erkundigen. Persönlicher Eindruck und Fachlichkeit der Fachleute sollten gleichermaßen abgeprüft werden.

Danach ist Zeit für die Entscheidung: Denn im laufenden Verfahren, Architekten oder Betreuer zu wechseln, führt zu gravierenden Komplikationen. Drum prüfe (vorher), wer sich ewig bindet ....


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